Mythos Titanic:
Mit dem U-Boot zum Titanic-Wrack
Vor knapp 100 Jahren, am 15. April 1912, ging mit der Titanic auch ein Stück Schiffahrtsgeschichte unter. Seitdem ruht das Wrack des Ozeanriesen in knapp 3.800 Meter Tiefe.
2012 jedoch - exakt 100 Jahre nach der Titanic-Katastrophe - wird ein lange gehegter Wunsch Wirklichkeit: dann gibt es erstmals wieder Tauchfahrten zum Wrack, an denen jeder teilnehmen kann, der das passende 'Kleingeld' hat.

Das Wrack war nach dem Untergang 1912 mehr als 60 Jahre lang verschollen und wurde erst 1985 am Meeresgrund von einem Tauchroboter entdeckt. Seitdem wurden einzelne Fundstücke geborgen, der Großteil des gesunkenen Schiffes ist aber noch in dem Zustand, in dem sich der Ozeanriese unmittelbar nach dem Untergang befand - Tassen, Teller, Lampen, Ornamente und Verzierungen sind heute noch so zu erkennen als sei das Schiff erst vor kurzem gesunken.
Eine Zeitlang wurden Souvenirs der Titanic sogar im Internet verkauft; nach einem Gerichtsurteil ist dies mittlerweile aber verboten.
Mythos Titanic
Seit den Tagen der Katastrophe zieht die Katastrophe nicht nur Schiffsbegeisterte in ihren Bann. Verbunden mit dem Titanic-Unglück ist seit jeher die unheimliche Geschichte vom Machtkampf zwischen Mensch und Natur, der im Fall des Schiffes auf höchst tragische Weise verloren wurde. Das Wrack steht bis heute auch als Symbol für die Grenzen der Natur, die der Mensch nicht nach Belieben überwinden kann.
Ein weiterer Grund für den immer wieder aufs Neue aufflammenden Mythos Titanic sind die zahllosen Geschichten, die sich um das Unglücksschiff ranken. Ob die des alternden Kapitän Smiths, der angeblich auf seiner letzten Reise sterben musste oder die der zahlreichen auf See umgekommenen Millionäre und Berühmtheiten wie Benjamin Guggenheim - das Schiff fasziniert bis heute und hat manches Geheimnis immer noch nicht preisgegeben.
Das Wrack heute

Am Meeresgrund, 3.700 Meter unter der Oberfläche, ruht der mächtige Stahlrumpf der Titanic bis heute nahezu unverändert. Wie ein Stück konservierter Zeitgeschichte zeugen die Masten, Ketten und Holzplanken von einem der größten Unglücke, welches die Schifffahrtsgeschichte je erlebt hat. Ob es die Mythen, die lange Ungewissheit oder die unvorstellbare Tiefe ist, in der das zerbrochene Schiff liegt - der Faszination, die von dem Wrack ausgeht, lässt kaum jemanden kalt.
Nur logisch war es da, dass ein regelrechter Tauch-Tourismus einsetze, sobald dies technisch möglich war. Dazu musste einerseits natürlich die genaue Lage des Schiffes entschlüsselt werden (dieses Problem wurde 1985 gelöst), andererseits mussten entsprechende U-Boote gebaut werden, die bis in eine solche Tiefe vordringen konnten. Herkömmliche Marine-U-Boote erreichen in der Regel eine Tauchtiefe von nur 600 bis 900 Metern (Quelle) und würden nicht einmal ansatzweise in die Nähe der Titanic kommen. Hinzu kommt die totale Dunkelheit, welche die Tiefsee ab etwa 800 Metern Tiefe umfängt.
Erst die Konstruktion spezieller Tiefsee-U-Boote, wie sie zur Forschung benötigt wurden, brachten U-Boot-Fahrten zum Wrack der Titanic überhaupt in den Bereich des Möglichen. Kugelförmige Spezialkonstruktionen wie das Tiefseeboot Alvin, das 1985 auch das Titanic-Wrack entdeckte, können Menschen in Tiefen bis zu 6.500 Metern und darüber hinaus bringen. Sie halten zudem einen Druck von weit mehr als 400 Bar aus, wie er in der Tiefe der Titanic vorherrscht.
U-Boot-Fahrt zur Titanic
Bis vor kurzem bot das russische PP Shirshov Institut für Ozeanografie der Akademie der Wissenschaften regelmäßig Tauchfahrten zum Wrack der Titanic an. Aus finanziellen Gründen wurden die U-Boot-Tauchgänge jedoch eingestellt. Offenbar ist das Interesse in jüngster Zeit wieder gestiegen, denn ab 2012 wird es erstmals wieder Tauchfahrten in drei Zeitfenstern geben.
Die Russen unterhalten dazu ebenfalls zwei Spezial-U-Boote, nämlich die Mir 1 und die Mir 2. Bei einem der Schiffe handelt es sich übrigens um genau jenes Tiefsee-U-Boot, das auch im Film Titanic zu sehen ist.
Das Abenteuer besteht nicht nur aus dem eigentlichen Tauchgang; verbunden mit der Expedition ist die Anreise per Flugzeug und dann per Schiff bis zur Unglücksstelle. Die Fahrt mit dem Schiff alleine dauert mehrere Tage, insgesamt sind die Teilnehmer fast zwei Wochen unterwegs.
Während der Tage, an denen man nicht zum Wrack taucht, kann man auf dem Schiff eine russische Sauna besuchen, mit der Mannschaft oder anderen Titanic-Begeisterten plaudern oder schlicht entsprechende Hintergrund-Literatur studieren.
Der Höhepunkt ist natürlich der Tauchgang zum Wrack der Titanic. Leute, die dabei gewesen sind, berichten von einer unbeschreiblichen Gänsehaut-Atmosphäre, wenn der Lichtkegel des Tauchbootes die ersten Umrisse der Titanic vor dem nachtschwarzen Tiefseehintergrund erhellt.
Die Expedition wird von einer Videokamera aufgezeichnet, so dass die Teilnehmer noch lange Freude an diesem unvergleichlichen Erlebnis haben werden.
Zukunft der U-Boot-Fahrten zur Titanic
Obwohl das Wrack auf vielen Bildern noch gut erhalten aussieht, wurde es in den vergangenen 100 Jahren an einigen Teilen zersetzt und ist zum Teil stark überwuchert. Nachdem viele Holzteile bereits kaum mehr auszumachen sind, zerfallen auch immer mehr Eisenteile, die von Bakterien zersetzt werden. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass das Wrack nur noch wenige Jahrzehnte zu sehen sein wird. Bereits in einigen Monaten oder Jahren könnten die Oberdecks kollabieren und die Aufbauten sowie die Metallstruktur weitgehend zerstören.
Die Fahrten zum Wrack der Titanic sind zudem sehr teuer und aufwendig; das russische Institut hat den Wrack-Tourismus ursprünglich ersonnen, um die wissenschaftlichen Forschungsexpeditionen zu finanzieren. Finden sich in Zukunft nicht genügend betuchte Wrack-Begeisterte, werden die Fahrten wohl irgendwann eingestellt werden.
Wem die knapp 50.000 Euro, die der Ausflug kostet, nicht weh tun, sollte sich dieses imposante Stück Zeitgeschichte nicht entgehen lassen.
Um vorab einen Eindruck der Tauchfahrt zu bekommen, empfehlen wir die folgende Animation von rmstitanic.net.
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